Ostfrieslandkrimis

Ostfriesengrab

im März 2009 erschienen

Im zauberhaften Park von Schloss Lütetsburg wird eine weibliche Leiche gefunden. Der Mörder hat sie wie eine Elfe in den blühenden Sträuchern drapiert. Welche Botschaft will er Kommissarin Ann Kathrin Klaasen und ihrem Team damit übermitteln? Auch der dritte Kriminalroman mit der beliebten Kommisarin verspricht Spannung pur.

Im Goyalit-Verlag erscheinen Klaus-Peter Wolfs Ostfrieslandkrimis als Hörbücher. Es sind jeweils drei CDs mit insgesamt 225 Minuten. Klaus-Peter Wolf liest die Krimis selbst vor.

Der Kriminalroman »Ostfriesenkiller« erscheint bereits in der sechsten Auflage, das Buch »Ostfriesenblut« in der Fünften und »Ostfriesengrab« in der dritten Auflage. Insgesamt wurden 100.000 Ostfrieslandkrimis verkauft.

Leseprobe

Eigentlich, dachte Ann-Kathrin Klaasen, müsste ich dem Mörder dankbar sein. Ich wäre sonst nie um diese Jahreszeit hierher gefahren.
Natürlich kannte sie den zauberhaften Schlosspark Lütetsburg. Ihre Freundin Ulrike hatte hier geheiratet. Damals hatte Ann-Kathrin Klaasen sich vorgenommen, immer wieder zu diesem Ort der Ruhe zurückzukehren, um zwischen dem jahrhunderte alten Baumbestand Einkehr zu halten und zu sich selbst zu finden.
Von ihrem Haus im Distelkamp in Norden bis zum Schlosspark waren es nur wenige Minuten. Doch wer lange am Meer wohnt, gewöhnt sich an das Geräusch der Wellen und hört es irgendwann nicht mehr, dachte sie, traurig darüber, dass ein Kriminalfall nötig war, um sie an diesen wunderbaren Ort zurückzuführen.
Jetzt wurde sie von der Farbenpracht der Rhododendren- und Azaleenblüten geradezu geflutet. Für einen Moment schloss sie die Augen und atmete nur ein. Der Geruch war überwältigend. Wie konnte jemand in dieser Oase für die Seele einen Menschen umbringen?
Die Nordsee konnte man hier nicht hören. Der Park hatte eine ganz eigene Geräuschkulisse. Das Surren nektartrunkener Insekten war wie ein Hintergrundgeräusch, über dem das Knistern der Zweige und Blätter lag, mit denen der Wind spielte, als hätte er bei seinem langen Weg übers Meer vergessen, wie schön es auf dem Festland sein konnte.
Ihre Freundin Ulrike hatte in der hölzernen Nordischen Kapelle geheiratet. Ann-Kathrin Klaasen war dem ostfriesischen Häuptlingsgeschlecht von Innhausen und Knyphausen zutiefst dankbar, dass sie diesen Ort ermöglicht hatten. Sie nahm sich vor, mit ihrem Sohn Eike hierhin zu gehen. Es konnte doch nicht sein, dass er in der Nähe aufwuchs, aber das CineStar in Emden besser kannte als diesen Park. Womöglich gab es hier mehr zu sehen als im Kino, dachte sie.
Sie öffnete die Augen wieder und ließ die Farbenpracht auf sich wirken. Dies zarte Grün, das sich mit lachsrot und sonnengelb mischte, erinnerte sie an die ersten Eindrücke ihrer Kindheit, als sie mit ihrem Vater zum ersten Mal ein Museum besucht hatte und er versuchte, ihr die hingetupften Bilder der Impressionisten nahe zu bringen. Sie war begeistert gewesen von den Bildern und noch mehr davon, wie sehr ihr Vater sich mit ihr beschäftigte. Er versuchte, ihr den Blick für die Welt zu öffnen. »Schönheit«, sagte er, »muss man auch sehen können.«
Aber was jetzt auf sie wartete, war sicherlich nicht schön. Sie hatte die Leiche noch gar nicht gesehen. Sie stand am Eingang des Parks. Der uniformierte Kollege Paul Schrader interessierte sich nicht für die Schönheit der Landschaft. Er wirkte merkwürdig betreten, wie jemand in einer Beziehungskrise oder wie ein Mensch mit einem schlechten Gewissen, dachte Ann-Kathrin. So wie er jetzt da stand und auf seine Schuhe sah, benahmen sich Täter oft ganz kurz vor ihrem Geständnis. Typischerweise kaute er auch noch auf der Unterlippe herum und war ganz in sich gekehrt, als müsse er erst selbst mit etwas klarkommen, bevor er es dann der Umwelt anvertrauen konnte.
Neben ihr reckte Weller sich und atmete tief durch. »Weißt du, woran ich gerade denke, Ann?«
»Ja, daran, dass wir mal wieder Urlaub machen sollten.«
»Genau«, log er. In Wirklichkeit hatte er an etwas ganz anderes gedacht. Gerade, als die Sonne in ihr Gesicht schien und ihren Haaren eine engelhafte Aura gab, sie die Augen für einen Moment geschlossen hatte und in ihren Gedanken und Erinnerungen versunken war, da spürte er fast schmerzhaft, wie sehr er sie begehrte. Am liebsten hätte er sie jetzt hier sofort geliebt, zwischen der Blütenpracht, mit der das Leben sich selbst feierte. Vielleicht wirkten diese Blütendüfte wie ein Aphrodisiakum auf ihn. Vielleicht war es nur Ann-Kathrin selbst. Es war ihm egal. Er hatte jetzt keine Lust, sich mit etwas anderem zu beschäftigen als mit ihr und ihrem schönen Körper. Aber das konnte er ihr nicht sagen, denn hier war ein Mord gemeldet worden und die Kollegen von der Spurensicherung waren weiter hinten im Park schon bei der Arbeit.
Abel von der Spurensicherung kam ihnen an den Wasserläufen entlang entgegen. Er hielt ein Fotostativ wie einen Baseballschläger in der Hand, so als müsse er sich damit verteidigen. Ganz gegen seine sonstigen Gewohnheiten hing die Kamera um seinen Hals. Er zeigte auf eine mächtige farnblättrige Buche und rief: »Warum bin ich nicht Landschaftsgärtner geworden oder Florist oder …« Er breitete die Arme aus. Seine Worte kamen mit der Energie der Verzweiflung. »Oder warum fotografiere ich nicht einfach so etwas hier? Meinst du, es gibt schon einen Bildband von diesem Park?«
Abel hatte schon viele Leichen gesehen. Er war eigentlich ein abgebrühter Hund, fand Ann-Kathrin. Manchmal sogar zu kalt. Was er fotografiert hatte, musste ihn sehr, sehr erschüttert haben. Er hatte jede professionelle Abgrenzung verloren und war kurz davor, seinen Job hinzuschmeißen. So kannte sie ihn nicht.
Sie begann, sich innerlich darauf einzustellen, gleich etwas Grauenhaftes zu sehen.
Zunächst fragte sie Paul Schrader: »Wo ist der Zeuge, der uns angerufen hat«
Er saß auf einer Bank vor dem Freundschaftstempel und sah von dort aus die Insel der Seligen, die Begräbnisstätte der Familie Innhausen und Knyphausen.
»Der ist ZDF-Redakteur«, sagte Schrader und klang wenig begeistert. Weller hörte nur ZDF und hakte gleich nach: »Ist die Presse mal wieder vor uns da?«
»Er hat die Leiche gefunden.«
Misstrauisch fragte Weller: »Was macht das Fernsehen hier?«
»Urlaub!«, rief Gunnar Peschke, stand auf und kam zu den Beamten herüber. Sie wunderten sich, dass er ihre Worte verstanden hatte. Er nahm ihre Verunsicherung wahr und lächelte: »Ich bin Musikredakteur. Kinderlieder. Musikboxx zum Beispiel. Gut hinhören ist sozusagen mein Geschäft.«
Der Mann gefiel Ann-Kathrin. Eine imposante Erscheinung. Offensichtlich nicht leicht aus der Ruhe zu bringen. Er musste dasselbe gesehen haben, das Abel so aus der Fassung gebracht hatte. Und er war dabei allein gewesen, nicht umrahmt von Polizeibeamten und Kollegen. Er hatte sie informiert und dann hier gewartet.
»Sind Sie den Anblick von Leichen gewöhnt?«, fragte Ann-Kathrin Klaasen. »Nein«, lächelte er. »Dafür bin ich nicht zuständig. Im Kinderfernsehen befassen wir uns nicht mit so etwas. Das machen meine Kollegen vom Abendprogramm. Ich habe mehr mit Piraten zu tun, Hexen und Gespenstern. Sie verstehen …«
Er erzählte, dass er in Norddeich im Fährhaus wohnte und täglich mit dem Rad zu längeren Touren aufbrach. Heute morgen war er der erste Gast im Schlosspark Lütetsburg gewesen. Es war nicht mal jemand da, um Geld zu kassieren. Er hatte am Eingang einen Euro eingeworfen. Jetzt fragte er sich, wie jemand in der Lage war, so ein Paradies zu unterhalten mit nur einem Euro Eintrittsgeld.
Weller spürte einen Stich Eifersucht, weil er merkte, dass dieser Gunnar Peschke seiner Ann-Kathrin durchaus gefiel. Das machte ihn umso kritischer: »Warum sind Sie nicht wie die anderen Touristen am Meer? Warum radeln Sie nicht am Deich lang«
Milde lächelnd zeigte Gunnar Peschke mit der offenen Hand die Schönheiten der Landschaft, in der sie sich befanden. »Schauen Sie sich um. Braucht man dafür eine Erklärung?«
Ann-Kathrin nickte und sah Weller missbilligend an. Das machte ihn noch wütender auf diesen ZDF-Redakteur.
»Kennen Sie die Tote?«, fragte Weller.
»Nein«, antwortete Gunnar Peschke. »Ich glaube nicht. Obwohl…«
»Obwohl was?«, setzte Weller sofort nach.
Gunnar Peschke winkte ab. »Ach, schauen Sie doch selbst.«
»Ihre Personalien haben die Kollegen ja bereits aufgenommen«, stellte Weller fest.
»Natürlich«, maulte Schrader. »Denkt ihr, wir haben hier Blumen gepflückt?« Ann-Kathrin Klaasen atmete noch einmal tief durch. Dann sagte sie: »Okay. Sehen wir uns den Tatort an.«

Kritiken

»Klaus-Peter Wolf, an Unterhaltungswert kaum noch zu überbieten!« Daniela Köhler, Westfälische Rundschau

»Kein anderer Krimiautor kann so glaubwürdig aus der Sicht von Psychopathen schreiben wie Klaus-Peter Wolf. Das Irre scheint plötzlich logisch und nachvollziehbar. Das Böse hat bei ihm eine Magie, der man sich kaum entziehen kann.« Simone Schäfer, Amazon

»Ostfriesengrab hat Sprachwitz und Situationskomik. Szenen, wie die im Polizeiauto, die brüllend komisch sind. Ein besseres Verhört als das mit der ?Arschlochfrisur? habe ich noch nicht gelesen. Aber das Buch ist wie eine Achterbahnfahrt. Nach dem Spaß kommt das Grauen.« Ingebord Krüger, Krimicouch

»Ein Buch mit herrlich viel Lokalkolorit. Da riecht man die Nordsee.« Holger Bloem, Ostfriesischer Kurier

»Mit diesem Titel ist Klaus-Peter Wolf ein brillant geschriebener Krimi gelungen. Die Story ist mitreißend, spannend und man hat Lust, die Lektüre ohne Unterbrechung fortzusetzen. Der auktoriale Erzähler behält alle Fäden seiner Figuren sicher in der Hand: Ein Top-Titel, der bestsellerverdächtig ist.« PZ Rheinland-Pfalz, Edda Dietsch

»Mit Ostfriesengrab zeigt Klaus-Peter Wolf höchste Spannungskunst: zwar inszeniert er finessenreich eine klassische Täterjagd, aber ebenso viel Aufmerksamkeit schenkt er der Psychologie der Figuren. Mit Kommissarin Klaasen hat er eine Heldin geschaffen, die gerade durch ihre widersprüchliche Persönlichkeit für sich einnimmt.« Saarbrücker Zeitung, Oliver Schwambach

»Klaus-Peter Wolf nutzt in seinen Kriminalromanen die Schönheit Ostfrieslands als Fallhöhe für schreckliche Verbrechen. Vielen Menschen halten seine Kommissarin Ann Kathrin Klaasen für eine real existierende Figur. Sie hat viel mit ihrem Schöpfer Klaus-Peter Wolf gemeinsam. Sie wohnt, genau wie er, in der ältesten ostfriesischen Stadt: Norden. Und wie er kommt sie aus Gelsenkirchen, hat die ersten Jahre ihres Lebens im Ruhrgebiet verbracht und ist diesem Menschenschlag immer noch sehr verbunden. Ihre Geradlinigkeit, ihr trockener Humor und ihre Respektlosigkeit Autoritäten gegenüber kommen aus dem Kohlenpott. Immer hält sie zu «denen da unten» und legt sich nur zu gern mit «denen da oben» an. Wie er ist sie eine Zugereiste und somit Ostfriesin aus Überzeugung.« Emder Zeitung / Sonntagsblatt

»Spannung pur!« SF-Magazin

»Klaus-Peter Wolf beschäftigt sich in seinen Krimis mit den großen Tabus und Themen unserer Zeit.« SWR

»Klaus-Peter Wolfs Ostfriesen Krimis sind nicht nur glaubwürdig entwickelte und bis zur letzten Seite spannende Psychothriller, sie sind zudem atmosphärisch dichte Reiseführer in die Gefilde des hohen Nordens, machen den Leser mit Land und Leuten bestens vertraut.« Frank Göhre, Kriminalschriftsteller,
Autor der Filme Abwärts und St. Pauli Nacht

»Die Krimis von Klaus Peter Wolf sind hoch spannend und kommen authentisch rüber.« Inka Schneider, NDR Moderatorin in der Sendung DAS!

»Krimi mit gruseligem Wahrheitsgehalt. Klaus-Peter Wolf zieht das Publikum in seinen Bann.« Nordwestzeitung

»Klaus-Peter Wolf, ein Titan der deutschen Literatur!« Burkhard Scherer, Nordwestradio »Gesprächszeit«

»Über satte 400 Seiten ein absolut spannender Krimi, den man kaum aus der Hand legen kann. Klassisch, aber gekonnt, werden falsche Fährten gelegt. Fazit: Bestes Krimihandwerk, das eine Empfehlung verdient.« Heidelberg aktuell

»Spannung pur.« Die Berliner Literaturkritik

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Buch 02